Kompass feiert dieses Jahr seinen 30ten Geburtstag

Matthias Baaß: 
Liebe KOMPASS-Freunde!

Vor dreißig Jahren war es fast exotisch über den Klimawandel zu sprechen. Dieter Walch, bekannt aus dem ZDF als Moderator des Wetterberichts kam nach Viernheim und schilderte vor großem Publikum im Bürgerhaus die Situation. Der Vortrag fiel nicht vom Himmel, Ausgangspunkt war das Handeln der damaligen Rathausspitze um Norbert Hofmann und Manfred Dewald, die mit ihrem Antrag beim Land Hessen Viernheim zur Energiesparstadt und Brundtlandstadt gemacht hatten. Schon damals war klar: die nötigen gesellschaftlichen Veränderungen werden nur zusammen mit der Bevölkerung gelingen, nicht gegen sie. So entstand der Verein Kompass, als Bürgervereinigung, so wie es bei einem Verein eben ist.

Getragen vom Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, kombiniert mit der hauptamtlichen Unterstützung aus dem Kompass-Büro, sind in den nun zurückliegenden 3 x 10 Jahren viele Projekte entstanden, vor allem vieles, was dauerhaft geblieben ist. Vom Frühjahrsputz über das Handy sammeln bis hin zu den Naturentdeckern.

Bei allen, die in der Vergangenheit und heute mitwirken, um unsere Vereinsziele zu verwirklichen, möchte ich mich sehr bedanken. Es bleibt nach wie vor viel zu tun!

Herzlichst
Ihr

Matthias Baaß
Vorsitzender

Jubiläumsbonbon

12 Tiergeschichten exklusiv für KOMPASS geschrieben von Dr. Mario Ludwig, Biologe und Wissenschaftsjournalist aus Karlsruhe, Er ist bekannt dafür, als Fachbuchautor, informativ und sehr humorvoll das Skurrile im Tierleben zu beleuchten. Mittlerweile hat er über 30 Bücher geschrieben, die in 5 Sprachen übersetzt wurden. Er ist gern gesehener Gast in Talkshows wie zum Beispiel bei Kerner und Elstner, hat Auftritte in Fernsehsendung wie Planet Wissen, im Tigerentenclub, bei Galileo Mystery, Welt der Wunder und ist einmal die Woche im Radio mit der Sendung „Das Tiergespräch“ zu hören, um nur mal die wichtigsten zu nennen. Und nun viel Spaß bei der ersten Geschichte:

(c) Alexandra Pixabay

Warum werfen Hirsche im Frühjahr eigentlich ihr Geweih ab?
von Dr. Mario Ludwig

Liebe Umwelt- und Naturfreunde in Viernheim, wenn sie jetzt im Wald spazieren gehen, dann können Sie mit etwas Glück das Geweih eines Rothirsches auf dem Waldboden finden. Im Gegensatz zu Kühen und anderen Hornträgern, entledigen sich männliche Hirsche nämlich jährlich zwischen Februar und April mit schöner Regelmäßigkeit ihres Geweihs. Aber warum werfen Hirsche eigentlich jedes Jahr im Frühjahr ihr Geweih ab? Welcher tiefere biologische Sinn steckt dahinter, dass sich Hirsche Jahr für Jahr ihres Gestänges erledigen, in dessen Bildung sie doch zuvor so viel Mühe und Energie gesteckt haben?
Das ist eine Frage, die Biologen schon seit langem Kopfzerbrechen bereitet, aber die man bisher trotz aller Mühen, bisher noch nicht zufriedenstellend gelöst hat.
Es gibt jedoch ein paar Hypothesen. Eine ältere Theorie und recht unwahrscheinliche Theorie, geht zum Beispiel davon aus, dass über das Geweih bei großer Hitze überschüssige Wärme abgegeben werden kann, und dass das „Gestänge“ daher nur für die heißen Sommermonate benötigt wird. Bei dieser Theorie stellen sich natürlich zwei Fragen: Warum behält der Hirsch dann sein Geweih auch über den Winter und wirft es nicht schon im Herbst, sondern erst im nächsten Frühjahr ab? Und zweitens: Wie werden dann Hirschkühe, die ja ein ganzes Leben kein Geweih ausbilden, mit Hitzeperioden fertig?
Eine weitere Theorie haben Ende der 1970er Jahre 2 Biologen der Universität Calgary entwickelt. Nach deren Meinung, werfen die Hirsche ihr Geweih ab, um nicht gefressen zu werden. Und zwar unmittelbar nach der, für ein Männchen doch körperlich sehr zehrenden, Brunft. Schließlich würde zu diesem Zeitpunkt der Besitz eines Geweihs Fressfeinden ja nur allzu deutlich signalisieren, dass es sich hier, dank mangelnder körperlicher Fitness, um eine leichte Beute handelt. Und deshalb würden sich in diesem Zeitraum Raubtiere, wie etwa Wölfe, natürlich bevorzugt auf Geweihträger stürzen. Hätten sich die erschöpften Hirsche jedoch erst einmal ihres „verräterischen“ Geweihs entledigt, wären sie, nach Ansicht der Wissenschaftler, im „gemischten“ Rudel von Raubtieren nicht mehr als leichtes Opfer auszumachen und deshalb besser geschützt.
Übrigens verursacht der Geweihabwurf zunächst einmal das ganz massive Probleme: Nach dem Abwurf vom Geweih haben die Hirsche nämlich noch eine ganze Zeit lang ganz gewaltige Gleichgewichtsstörungen, weil sich die Halsmuskulatur erst ganz allmählich auf die enorme Entlastung des Kopfes einstellen muss. Schließlich gehen zusammen mit dem Geweih ja auch oft etliche Kilogramm an Gewicht verloren. Aber mit dem Abwurf verliert der Hirsch oft nicht nur Gewicht, sondern er verliert auch Status. Dazu muss man wissen, der Rang in der Hierarchie in einem Hirschrudel, ist umso höher, je größer das Geweih eines Hirschs ist. Das heißt, der Hirsch mit dem größten Geweih ist der Boss und das ist meistens auch der älteste Hirsch. Dummerweise erfolgt der Geweihabwurf aber umso früher, je älter der Hirsch ist. Und das wiederum bedeutet, dass ältere Hirsche im Rudel ihren hohen Rang verlieren und in der Hierarchie nach unten durchgereicht werden. Schließlich haben sie ja gerade ihr wichtigstes Statussymbol verloren. Dann dominieren – wenn auch nur kurzfristig, die jüngeren Hirsche. Schließlich haben die ja zu diesem Zeitpunkt noch ihr Geweih. Selbst ein kapitaler Platzhirsch steht dann auf einmal in der Hierarchie unter einem Jungspund mit winzigem Geweih, der es aber eben noch nicht verloren hat.

Hier noch ein paar interessante Fakten zum Thema:
Abwurf des Geweihs -Aus dem Wildpark Voellinghausen- 

(c) Alexandra Pixabay

Schwarze Intelligenzbestien (ganzes Jahr)
von Dr. Mario Ludwig

Liebe Umwelt- und Naturfreunde in Viernheim, vielleicht haben Sie es ja mitgekriegt. Vor einiger Zeit haben amerikanischen Wissenschaftlern ein IQ-Ranking der Vögel aufgestellt. Und siehe da: Nicht etwa, die so wunderbar sprechenden Graupapageien standen da an Nummer 1, sondern die Rabenvögel. Offensichtlich handelt es sich bei Rabe, Krähe, Eichelhäher und Co. sozusagen um die Einsteins unter den Vögeln. Wissenschaftler attestieren den Rabenvögeln geradezu erstaunliche Hirnleistungen, die sich häufig nur mit denen von Menschenaffen vergleichen lassen. Einige Arten können beispielsweise gezielt komplexe Werkzeuge selbst herstellen, langfristig planen und können sich sogar selbst im Spiegel erkennen. Unter Experten gelten Rabenvögel deshalb als eine der hochentwickeltsten Lebensformen auf unserem Planeten.
Ein ganz wunderbares Beispiel für diese Intelligenz finden wir bei den japanischen Rabenkrähen. Die absolute Lieblingsnahrung von japanischen Rabenkrähen sind ganz klar Walnüsse. Aber dummerweise können die Rabenkrähen die harte Schale der Nüsse nicht knacken. Dazu ist ihr Schnabel einfach zu schwach.
Aber die cleveren Tiere wissen sich zu helfen: Sie lassen die Nüsse nämlich einfach knacken und zwar von Autos. In einigen japanischen Städten warten die schlauen Vögel einfach an den Straßenkreuzungen darauf, dass Autos an der Ampel anhalten. In der Rotphase der Ampel, legen sie dann die Walnüsse vor die Reifen der wartenden Autos. Wird es dann wieder grün, fahren dann die Autos über die Nüsse und knacken sie. Und in der nächsten Rotphase der Ampel können die Rabenkrähen dann die geknackten Nüsse aufsammeln und in aller Seelenruhe verzehren.
Ein regelrechter Superstar in Sachen Intelligenz war die Krähe Betty, die 2002 in einem Labor der Universität Oxford auf ihre Intelligenz hin untersucht wurde. Die Aufgabe von Betty war es, in einem Test einen Futterbehälter mithilfe eines gebogenen Drahtes aus einer Röhre ziehen. Für dieses Experiment hatte man Betty eine ganze Reihe von Drähten zur Verfügung gestellt. Aber nur einer von diesen Drähten hatte auch den richtigen Haken, um den Futterbehälter auch greifen zu können. Aber dummerweise hatte sich den bereits Bettys Bruder, der auch an diesem Experiment teilgenommen hat, geangelt. Eine Tatsache, die Betty nur ganz kurz störte: Sie schnappte sich einfach einen anderen Draht und bog den passgenau zurecht – und das ohne jemals zuvor Erfahrungen mit Metalldrähten gemacht zu haben. Für einen Vogel eine geradezu gigantische Hirnleistung.
Eine ganz andere Art von Intelligenz zeigen dagegen die sogenannte Tower-Raben.
Im Tower von London leben immer 6 Raben. Das hat etwas mit dem alten Mythos zu tun, wonach das Empire untergeht, wenn die Raben, den berühmt- berüchtigten Londoner Tower verlassen. Erstaunlicherweise sind die Tower-Raben aber nicht nur ausgesprochen klug, sondern haben auch einen gewissen Sinn für Humor: Einige der schwarzen Vögel stellen sich nämlich in der Gegenwart von Touristen oft gerne auch mal tot: Einfach leblos auf den Rücken legen, Beine angewinkelt gen Himmel strecken und fertig ist die vermeintliche Rabenleiche. Schaut dann das, von völlig aufgelösten Touristen eilig herbeigerufene Tower-Personal, nach dem Rechten, springen die „Leichen“ fröhlich auf und freuen sich diebisch über ihre gelungene Täuschungsaktion.

(c) pixabay maxilein lizenzfrei
(c) pixabay maxilein lizenzfrei

Schlau, wie ein Fuchs
von Dr. Mario Ludwig

Liebe Umwelt- und Naturfreunde in Viernheim, diesen Ausdruck haben sie mit Sicherheit alle schon einmal gehört: „Schlau wie ein Fuchs!“ – Kaum einem anderen Tier wird eine derart hohe Intelligenz, aber auch eine gewisse Hinterlist so unterstellt, wie unserem Rotfuchs. Unzählige Geschichten und Fabeln drehen sich um den listigen tierischen Schlawiner. In die gleiche Kerbe schlug auch der erste deutsche Populärwissenschaftler Alfred Brehm, als er in seinem bekannten Werk „Brehms Tierleben konstatiert“: „Der Fuchs ist ein Sinnbild der List, Verschlagenheit, Tücke und, wie ich sagen möchte, gemeinen Ritterlichkeit”.
Aber ist der Fuchs wirklich so ausgesprochen schlau, wie immer behauptet wird?
Ja, sagt Sven Herzog, Experte für Wildökologie und Jagdwirtschaft an der Technischen Universität Dresden: „Füchse lernen schnell, erfassen Zusammenhänge und können ihr Wissen dann in raffinierte Strategien umsetzen, die ihnen das Überleben in vielen Situationen sichern“.
Gerade, wenn es um das Überlisten von Beutetieren geht, greift der Fuchs oft ganz tief in die Trickkiste. So wird beispielsweise schon lange kolportiert, dass es Füchse, gibt, die sich auch schon mal totstellen, um aasfressenden Krähen anzulocken. Und hat sich dann eine Krähe der vermeintlichen Leiche, in der Hoffnung auf einen leckeren Leichenschmaus, ungebührlich genähert, erwacht der Fuchs mit einem Schlag aus seiner vorgetäuschten Totenstarre und beißt seinerseits herzhaft zu. Die Wissenschaft hat übrigens lange Zeit bezweifelt, dass der Fuchs tatsächlich über eine derart raffinierte Schauspielkunst verfügt, bis es einem Tierfotografen gelang, den Leichentrick mit einer Bilderserie zu dokumentieren.
Füchse lernen, so die Wissenschaft, nicht nur aus eigenen Fehlern. Für einen Lerneffekt genügt es, wenn die kleinen Raubtiere einen Artgenossen bei einem Fehlverhalten beobachten. Ein Fuchs der beobachtet, wie ein anderer Fuchs von einem Auto überfahren wird, lernt auf diese, zugebenermaßen brutale Art und Weise, die Gefahr, die von einem Fahrzeug ausgeht, künftig richtig einzuschätzen. Apropos Straßenverkehr: In vielen deutschen Großstädten gehören Füchse mittlerweile zum gewohnten Stadtbild. Eine Tatsache, die damit zu tun hat, dass Füchse in der Stadt einen reich gedeckten Tisch vorfinden. Neben einer hohen Dichte an Mäusen, Ratten und Tauben, nämlich reichlich Speiseabfälle. Und mittlerweile haben die klugen Tiere auch längst gelernt, mit dem Straßenverkehr in einer Großstadt umzugehen: In Berlin wurden Füchse dabei beobachtet, wie sie, völlig korrekt, an einer roten Ampel stehen blieben und auf das Grünzeichen warteten.
Und ein gutes Gedächtnis hat der Rotfuchs auch noch. Zumindest, wenn es um das Wiederfinden von sogenannten Nahrungsverstecken geht. So berichtet etwa der deutsche Verhaltensforscher Vitus B. Dröscher von einem Fuchs, der im Winter 43 der 44 Verstecke wiederfand, in denen er im Herbst seine Nahrungsvorräte vergraben hatte.
Aber in Sachen „schlauer Fuchs“ geistern auch diverse fake news durchs Internet. Zum Beispiel die Geschichte, dass Füchse Igel, die sich zu ihrem Schutz eingerollt haben, einfach an einem Fluss oder Teich ins Wasser schubsen, um sie zu zwingen ihre Schutzhaltung aufzugeben. So schlau sind Füchse jetzt dann doch wieder nicht.